Was wissen wir darüber was die Corona-Pandemie für Patienten mit Spondyloarthritiden bedeutet?

Ein Artikel von Prof. Dr. med. Christoph Fiehn, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, Praxis für Rheumatologie im Medical Center Baden-Baden. 
Prof. Dr. med. Christoph Fiehn ist außerdem ärztlicher Berater des DVMB LV BW.

Die Pandemie mit SARS-CoV-2 bedeutet für uns alle eine Zeit von Ängsten und Unsicherheit. Das Virus ist äußerst ansteckend und kann, obwohl COVID-19 in den allermeisten Fällen mild verläuft, für einen kleinen Teil der Betroffenen tödlich sein. Diese schweren Verläufe scheinen insbesondere Menschen mit Begleiterkrankungen und mit höherem Lebensalter zu treffen. Bekannte Risikofaktoren sind das Vorliegen von Herz-Kreislauferkrankungen wie arterieller Bluthochdruck oder koronare Herzerkrankung, chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, Nierenschwäche und Krebs. Patienten welche diese Erkrankungen hatten sowie Hochbetagte führten bisher in den Statistiken der Verstorbenen.

Es war zu Beginn der Pandemie lange nicht klar ob Patienten mit rheumatischen Erkrankungen zu der Risikogruppe gehören. Die Einnahme von Medikamenten welche das Immunsystem verändern machte eine verminderte Abwehr gegen Virusinfektionen wahrscheinlich. Inzwischen ist das Bild aber klarer und die Nachrichten für Patienten mit Spondyloarthritiden sind erfreulich:

So wie es aussieht scheinen Patienten mit Spondyloarthritiden weder durch die Erkrankung noch die Medikation stärker als die Normalbevölkerung gefährdet zu sein. Möglicherweise können manche Biologika sogar einen schützenden Effekt haben.

Viele der Zahlen kommen aus Italien. Dort waren die COVID-19 Zahlen schon früh besonders hoch. Große Kliniken und Ambulanzen in Norditalien haben ihre Patienten systematisch befragt und festgestellt, dass eine erstaunlich geringe Zahl von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen überhaupt die SARS-CoV-2-Infektion durchmachten. Darüber hinaus waren die erkrankten Patienten oft ohne einen schweren Verlauf wieder gesundet. Dies konnte auch bei einer Vielzahl von Patienten welche wegen einer Spondyloarthritis oder aber Psoriasis (Schuppenflechte) Biologika aus der Gruppe der TNF-alpha- oder IL-17-Hemmer bekamen nachgewiesen werden. Inzwischen wurden diese Ergebnisse durch Auswertungen von Kliniken in New York und die eines internationales Register bestätigt. Patienten welche TNF-alpha-Hemmer bekommen, haben wahrscheinlich ein geringeres Risiko den schweren Verlauf der COVID-19 Erkrankung zu erleiden. Für die IL-17-Hemmer ist es noch nicht belegt, es sieht bisher aber auch danach aus, dass diese zumindest kein erhöhtes Risiko bedingen. In New York mussten von 30 in der Datenbank erfassten Patienten mit ankylosierender Spondylitis oder Psoriasisarthritis und COVID-19 nur 3 im Krankenhaus aufgenommen werden. Alle wurde wieder gesund, obwohl die Mehrzahl dieser Patienten Biologika bekam. Nicht-steroidale Antirheumatica (NSAR) wie z.B. Ibuprofen sind ebenfalls inzwischen von dem  Verdacht frei die Coronainfektion zu verschlechtern. Berichte dazu zu Beginn der Pandemie hatten sich im Weiteren nicht bestätigt.  Leider ist die Situation für Medikamente für andere rheumatische Erkrankungen weniger günstig. Insbesondere Cortisonpräparate scheinen ein erhöhtes Risiko zu vermitteln, auch das Biologikum Rituximab ist zumindest in Verdacht schwere Verläufe zu begünstigen.

Es besteht für Patienten mit Spondyloarthritiden also vorsichtiger Grund zur Entwarnung. Trotzdem sollten aber weiterhin alle Vorsichtmaßnahmen eingehalten werden um sich selber, aber auch andere, vor der Ansteckung zu schützen.

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