Covid-19-Impfung

Covid-19 Impfung bei axialer und peripherer Spondylarthritis und Spondylitis ankylosans

Wenn für überlebenswichtigen Fragen, die alle betreffen, wie jetzt bei der Covid 19 Pandemie durch den Virus SARS-CoV 2, die bestmögliche Antwort gefunden werden soll, dann ist eine öffentlich ausgetragene Kontroverse notwendig.
Die Diskussion darüber kann aber auch verstörend sein, vor allem dann, wenn man nur wenig Zeit hat, um sich in die speziellen Zusammenhänge hineinzudenken, und wenn man von Informationen und neuen Erkenntnissen regelrecht überschwemmt und überfordert wird.

Jeder von uns hat aber auch Verantwortung für die anderen und das Ganze. Das ist eine unerbittliche Botschaft dieser Seuche an einen jeden von uns: Es geht nicht nur um das eigene Wohlergehen.
Jeder ist in dieser Pandemie dem anderen Respekt und Offenheit schuldig.
Nur so können möglichst viele gesundbleiben und überleben.
Von uns allen muss dazu das Schaffen von solidem und gültigem Wissen unterstützt und der Missbrauch von Wissenschaft für die Macht weniger Etablierter und für unrechten Profit verhindert werden. Darin steckt übrigens auch ein riesengroßes Versäumnis der Vergangenheit von uns allen!

Nicht nur gründliche wissenschaftliche Logik und gut abgesicherte Untersuchungsergebnisse in großen und sorgfältigen wissenschaftlichen Studien sprechen für eine enorm gute Wirksamkeit und sichere Verträglichkeit der neuen Impfstoffe gegen SARS-CoV2 an Gesunden, sondern auch die inzwischen umfangreichen guten Erfahrungen in der Anwendung dieser Impfstoffe bei vielen Millionen Geimpften in Israel und USA etwa, wo nun auch chronisch Kranke einbezogen sind.

Was wissen wir inzwischen mit großer Sicherheit von der SARS-CoV 2 Infektion bei Menschen mit autoimmunologischen entzündlich rheumatischen Erkrankungen?
In den fast 12 Monaten, wie die Pandemie nun schon dauert, haben wir sehr vieles und für von „entzündlichem Rheuma“ Betroffene Wichtiges gelernt?
Die SARS-CoV2 Infektion tritt bei Menschen mit einer rheumatischen Erkrankung nicht häufiger auf als bei Gesunden.
Sie verlief außerdem bei Menschen mit autoimmunologischem Rheuma auch nicht heftiger als bei Gesunden, obwohl die schweren Verläufe von SARS-CoV2 Infektionen eigentlich auch systemische Autoimmunentzündungen sind wie entzündliches Rheuma! Deswegen kommen bei den komplizierten Verläufen von SARS-CoV2 ja auch dieselben Medikamente - Kortison etwa - wie beim entzündlichen Rheuma zur Anwendung.

Da bei der Impfung gegen Covid 19 bei den neuen Impfstoffen nur synthetische Bruchstücke des „Viruserbgutes“ von SARS-CoV2, also nur ein kleiner Teil der Boten-Ribonukleinsäure (= mRNA*) direkt (bei den Firmen BioNtech/Pfizer oder Moderna) oder gekoppelt an einen harmlosen Vektorvirus (bei Astra-Zeneca/Oxford Institut) ohne Impfantwortverstärker(Adjuvans) verabreicht wird, muss sich unser Körper nicht mit dem ganzen Virus, sondern nur mit einem Teil von SARS-CoV2 immunologisch auseinandersetzen, so dass die Reaktion des Körpers auf das Virusbruchstück eigentlich nicht heftiger ausfallen kann als auf das ganze Virus bzgl. Autoimmunität und Viruskrankheit.

Bei den vielen Millionen inzwischen Geimpften konnte die Neuauslösung oder die Auslösung eines Schubes einer entzündlich rheumatischen Krankheit nicht beobachtet werden.
Die beiden nicht an einen Vektor gekoppelten mRNA Impfstoffe sind keine Lebendimpfstoffe.
Sie können deswegen also auch bei Menschen unter einer laufenden immunmodulierenden Behandlung, wie sie zur Behandlung einer rheumatischen Krankheit etwa zur Anwendung kommt, eingesetzt werden.

Das menschliche Erbgut besteht aus DNA* und nicht RNA*. Deswegen kann der mRNA Impfstoff das menschliche Erbgut nicht verändern.
Ein bestimmtes mRNA-Stück ist der Bauplan für ein dadurch genau bestimmtes Eiweißmolekül. Davon gibt es viele tausend unterschiedliche, die für jedes Lebewesen lebensnotwendig, aber auch verschieden sind. Dem Prinzip nach funktioniert mRNA in einem jedem Lebewesen biochemisch identisch.

In unserem Stoffwechsel - also von uns selbst - gemachte mRNA wird nach deren Verwendung zur Herstellung eines bestimmten Eiweißes umgehend wieder zerstört.
Genauso geschieht das mit dem geimpften mRNA Bruchstück von SARS-CoV2, wenn die entsprechenden Eiweiße der Virusspikeproteine (= die vielen spitzigen Fortsätze des Covid 19 Virus, mit denen sich die Viren an unsere Zellen heften können) in den Zellen des geimpften Menschen hergestellt worden sind. Diese mRNA Bruchstücke können deswegen nicht ins menschliche Erbgut eingebaut werden.

Diese Spikeproteine – also nur dieser Teil, nicht das ganze Virus - werden danach aus der Zelle freigesetzt und lösen dann eine Aktivierung des Immunsystems des Geimpften und damit die Ausbildung eines Impfschutzes gegen SARS-CoV2 aus, ohne schwerer zu erkranken.

Da aber zum Aufbau des Impfschutzes eine Reaktion des Immunsystems notwendig ist, kann es bei einer Impfung wie bei jeder anderen Aktivierung unseres Immunsystems, also wie bei einer Infektion - zu allgemeinen Reaktionen, also Beschwerden unseres Körpers mit Temperaturanstieg und sogar Fieber, selten auch zu einem kurzzeitigen Schüttelfrost, dann zu vorübergehender Müdigkeit und Gliederschmerzen - den häufigsten Nebenwirkungen dieser Impfung - kommen.

Die bei einer Spondylarthritis eingesetzten Medikamente beeinträchtigen den Impferfolg, also das Ansprechen der Impfung sehr wahrscheinlich nicht, was verständlicherweise noch nicht untersucht werden konnte.
In Einzelfällen kann nach Rücksprache mit dem behandelnden Rheumatologen, ähnlich wie bei einer Operation, die Immuntherapie für 2 - 3 Wochen nach der Impfung unterbrochen werden - nicht länger! - was aber m. E. nur bei Methotrexat oder Ciclosporin (zur Behandlung der Psoriasis Arthritis) oder bei Azathioprin (zur Behandlung des Morbus Crohn) erwogen werden kann, wenn die rheumatische Krankheit nicht aktiv ist. Ein Schub der rheumatischen Krankheit sollte durch eine Therapieunterbrechung jedoch nicht riskiert werden.

SARS-CoV2 wird wie jede Grippe durch Aerosole (durch in der Luft schwebende Wassertröpfchen der Ausatemluft) von Mensch zu Mensch übertragen, ist aber um ein vielfaches tödlicher als die Grippeviren der letzten Jahrzehnte.
Aufgrund der Untersuchungen in einem Ort im Landkreis Heinsberg, wo es zu einem ersten schweren Covid 19 Ausbruch in Deutschland kam, muss man davon ausgehen, dass ohne Impfungen in Deutschland eine Herdimmunität, durch die eine seuchenartige Ausbreitung der Infektion nicht mehr stattfinden kann, erst dann eintritt, wenn 70 % aller dagegen immun sind.
Wenn diese Herdenimmunität nur durch eine Ansteckung mit SARS-CoV2 und nicht auch durch Impfen erreicht werden könnte, dann müssten nach dieser ernst zu nehmenden Studie 460 000 Menschen durch SARS-CoV 2 hierzulande zusätzlich sterben!

Durch eine erfolgreiche Impfung wird bei der überwiegenden Mehrzahl eine Infektion ganz verhindert. Bei den Fällen, wo sie dadurch aber nur abgemildert verläuft, kann eine unbemerkte Übertragung jedoch nicht ganz ausgeschlossen werden. Hygienemaßnahmen sind deswegen zunächst weiterhin notwendig.

Alle, die sich impfen lassen werden, tun das also auch, um viele andere vor einem qualvollen Tod und auch vor bleibenden Behinderungen zu retten. Alle können das mit einem insgesamt nur sehr geringen Risiko für die eigene Gesundheit tun.
Wir alle haben im Grunde genommen also nur die Wahl des kleineren Übels: Impfen oder Infektion? Das ist nach dem aktuellen Stand unserer Erkenntnis die Impfung gegen SARS-CoV2.
Je schneller wir eine Herdenimmunität durch die Impfung ohne die große Zahl von Opfern erreichen werden, desto schneller wird sich unser ganzes Leben dann auch wieder „normalisieren“ können.

Hoffentlich werden dann auch die vielen guten Vorsätze zu einer Besserung der Lebens- und Verhaltensweisen, die man sich während der Pandemie gefasst hat, dann auch tatsächlich konsequent und nachhaltig umgesetzt werden.
Wir alle werden zukünftig auf jeden Fall auch viel mehr auf einen besseren gemeinsamen Schutz vor Infektionen achten müssen.

*das A kommt vom englischen Wort für Säure = acid


Ein Artikel von Dr. med. Erich W. Bärlin, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie und ärztlicher Berater des DVMB LV Baden-Württemberg


Quellenangabe:
https://dgfi.org/corona/
https://www.gesundheitsinformation.de/der-impfstoff-moderna-mrna-1273-moderna-biotech-zur-impfung-gegen-corona.html
Streeck H et al, infection fatality rate of SARS-Cov 2 in a super spreading event in Germany (in Gangelt, Lkreis Heinsberg), Nat Comm, 2020, 11, 5829. doi 10.1038/ s41467-020-19509-y
https://www.rheuma-liga.de/aktuelles/detailansicht/impfstoff-gegen-corona-hinweise-fuer-rheuma-betroffene
https://dgrh.de/Start/Wissenschaft/Forschung/COVID-19/Impfung-gegen-SARS-CoV2.html

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